Der Auditor erhebt und bewertet Nachweise im Betrieb. Anschließend prüft der Technical Reviewer, ob die dokumentierten Ergebnisse den Zertifizierungsschluss tragen. Diese zusätzliche Qualitätskontrolle ist keine Wiederholung des Auditbesuchs.
Warum kann nach dem abgeschlossenen Audit noch eine andere Person den Bericht prüfen?
Audit und fachliche Prüfung beantworten unterschiedliche Fragen. Der Auditor sammelt und bewertet Nachweise unmittelbar im Betrieb. Die fachlich prüfende Person kontrolliert anschließend, ob die Auditunterlagen vollständig, logisch und ausreichend für die Zertifizierungsschlussfolgerung sind. Das ist eine zusätzliche Kontrolle der Qualität und Unparteilichkeit.
1. Technical Review ist kein zweites Audit
Die fachliche Prüfung wiederholt nicht den Vor-Ort-Besuch. Sie arbeitet hauptsächlich mit dem Auditbericht, Nachweisen, Anhängen und Aufzeichnungen aus dem Verfahren.
Ihre Aufgabe besteht darin, zu prüfen, ob das gesammelte Material die Konformitätsbewertung tatsächlich trägt. Sie ersetzt nicht die Tätigkeit des Auditors.
2. Die prüfende Person sieht den Bericht aus einer anderen Perspektive
Der Auditor kennt den Zusammenhang von Gesprächen und Beobachtungen. Der Reviewer sieht vor allem das formal Dokumentierte. Dadurch können Lücken sichtbar werden, die für die auditierende Person selbstverständlich erschienen, aber nicht festgehalten wurden.
Eine hilfreiche Regel lautet: Ist eine Schlussfolgerung ohne zusätzliche mündliche Erklärung des Auditors nicht verständlich, braucht der Bericht eine Ergänzung.
3. Unabhängigkeit vom geprüften Audit ist entscheidend
Die fachliche Prüfung bei RecyClass muss von den Bewertungstätigkeiten des jeweiligen Audits unabhängig sein. Wer das Audit durchgeführt hat, kann seine eigene Bewertung nicht unabhängig prüfen.
Die RecyClass-Dokumentation zur Verpackungszertifizierung beschreibt ausdrücklich ein Modell, bei dem ein anerkannter Auditor der Zertifizierungsstelle ohne Beteiligung am Audit den Bericht prüft und anschließend über die Zertifizierung entscheiden kann.
4. Die Prüfung kontrolliert den Umfang
Eine zentrale Frage ist, ob der Bericht genau das abdeckt, was im Zertifikat stehen soll: Standort, Prozess, Produkte, Materialien, Module, Stufen und Bewertungszeitraum.
Abweichungen zwischen Antragsformular, Auditbericht und Zertifikatsentwurf führen häufig zu Rückfragen.
5. Die Nachweise müssen ausreichen
Ein angekreuztes „konform“ kann unzureichend sein. Erforderlich ist eine Beschreibung des Nachweises: Dokument, Beobachtung, Aufzeichnung, Ergebnis, Charge, Beispiel oder eine andere nachvollziehbare Grundlage.
Die prüfende Person kann den Auditor um Präzisierung, weitere Nachweise oder eine Berichtskorrektur bitten, wenn die bestehende Darstellung die Bewertung nicht eindeutig begründet.
6. Nichtkonformitäten müssen logisch beschrieben sein
Geprüft wird, ob die Nichtkonformität einer Anforderung zugeordnet ist, der Nachweis klar ist und die Antwort des Kunden das tatsächliche Problem behandelt.
Eine Schließung allein aufgrund einer Erklärung ohne Nachweis kann in der fachlichen Prüfung infrage gestellt werden.
7. Zahlen und Bilanzen werden auf Schlüssigkeit geprüft
Bei Programmen zum Rezyklatanteil können Prozentwerte, Zeiträume, Massen, Bilanzergebnisse, Ausgänge und Produktumfang erneut betrachtet werden.
Ziel ist, Widersprüche zu erkennen, die zu falschen Aussagen oder einem falschen Zertifikatsumfang führen könnten. Das gesamte Audit wird dabei nicht wiederholt.
8. Widersprüche zwischen Bericht und Zertifikat können auffallen
Beschreibt der Bericht eine bestimmte Produktfamilie, während der Zertifikatsentwurf weitere Produkte nennt, sollte die prüfende Person den Prozess bis zur Klärung anhalten.
Das Zertifikat ist das abschließende Dokument für die externe Kommunikation. Sein Umfang muss aus dem Audit und dem genehmigten Bericht hervorgehen.
9. Eine Rückfrage bedeutet nicht automatisch einen Auditfehler
Zusätzliche Fragen sind ein normaler Teil der Qualitätskontrolle. Mitunter reicht eine genauere Beschreibung oder der Hinweis auf die Stelle, an der ein Nachweis bereits enthalten ist.
Ein professionelles System ermöglicht Überprüfung und fachliche Diskussion vor der endgültigen Entscheidung.
10. Die fachliche Prüfung schützt auch den Kunden
Eine sorgfältige Prüfung senkt das Risiko eines Dokuments mit falschem Umfang, unbelegter Aussage, fehlerhaften technischen Angaben oder einer Schlussfolgerung ohne Nachweis.
Der Kunde erhält damit ein verlässlicheres Zertifizierungsdokument, das auch späteren Rückfragen besser standhält.
11. Die Prüfung darf nicht zur Beratung werden
Auch der Reviewer bewertet vorgelegte Lösungen. Er sollte kein Kundensystem entwickeln und keine konkrete Lösung vorgeben, die er später selbst bestätigt.
Er darf jedoch erläutern, dass ein Nachweis die Anforderung nicht erfüllt oder zusätzliche Klärung erforderlich ist.
12. Ein positives Prüfergebnis ermöglicht die Zertifizierungsentscheidung
Je nach Programm können Prüfung und Entscheidung durch dieselbe befugte Person erfolgen oder als aufeinanderfolgende Funktionen im Verfahren organisiert sein. Die geforderte Trennung von den Bewertungstätigkeiten muss bestehen bleiben.
Erst nach erfolgreichem Abschluss aller vorgeschriebenen Schritte kann das Zertifikat formal ausgestellt werden.
FAQ
Muss der Technical Reviewer ein anerkannter RecyClass-Auditor sein?
Ja. Nach RecyClass Questions & Answers Certification 2026 muss der Technical Reviewer als RecyClass-Auditor anerkannt sein. Bei SP, RP und RC muss er in EU27+3 ansässig sein. Für die Prüfung von Module A ist außerdem die entsprechende Module-A-Schulung erforderlich. Die Kompetenz der entscheidenden Person wird gesondert geregelt.
Kann die prüfende Person zusätzliche Kundenunterlagen anfordern?
Die Kommunikation erfolgt üblicherweise über den Zertifizierungsprozess und den Auditor beziehungsweise die Stelle. Enthält der Bericht keine ausreichenden Nachweise, können Ergänzungen nötig sein.
Verlängert Technical Review den Ablauf?
Es ist eine eingeplante Zertifizierungsphase. Die Dauer hängt unter anderem von der Vollständigkeit des Berichts und möglichen Ergänzungen ab.
Darf der Reviewer die Bewertung des Auditors infrage stellen?
Ja. Tragen die Nachweise die Schlussfolgerung nicht, kann er entsprechend dem Verfahren Klärung oder Korrektur verlangen.
Erhält der Kunde einen eigenen Bericht über die fachliche Prüfung?
Nicht zwingend. Die Prüfung gehört zum internen Verfahren der Zertifizierungsstelle. Ihre Dokumentation hängt von Programm und Verfahren ab.
