Die Gültigkeitsdauer eines Zertifikats erlaubt keine beliebigen Produktänderungen. Auswirkungen auf die Recyclingfähigkeit sind zu bewerten und der ausstellenden Zertifizierungsstelle nach den geltenden Regeln zu melden. Vor der weiteren Nutzung von Aussage oder Zeichen ist der Umfang zu bestätigen.
Erlaubt ein drei Jahre gültiges Zertifikat beliebige Änderungen an der Verpackung?
Nein. Das Zertifikat bezieht sich auf eine bestimmte bewertete Konfiguration. Änderungen an Material, Etikett, Sleeve, Klebstoff, Verschluss, Farbe, Druck, Barriere oder einem anderen wesentlichen Merkmal können das Ergebnis verändern. Jede möglicherweise relevante Änderung sollte deshalb vor der Umsetzung bewertet und, soweit nach Umfang und Verfahren erforderlich, der Zertifizierungsstelle gemeldet werden.
1. Zertifiziert wird ein bestimmtes Design, nicht nur der Produktname
Die Zertifizierungsunterlagen beschreiben eine konkrete Konstruktion, ihre Komponenten und Materialien sowie die erfassten Varianten.
Behält ein Handelsprodukt seinen Namen, obwohl sich ein wesentlicher Bestandteil ändert, darf das bisherige Ergebnis nicht automatisch auf die neue Version übertragen werden.
2. RecyClass verlangt Änderungsmanagement
Methodik und Zertifizierungsunterlagen von RecyClass sehen vor, dass Änderungen mit Einfluss auf Design oder Bewertungsergebnis mitgeteilt und gegebenenfalls erneut bewertet werden.
Ein sinnvoller betrieblicher Ansatz ist, Änderungen vor ihrer Einführung in die Serienproduktion mit der Zertifizierungsstelle abzustimmen.
3. Ein Etikettenwechsel kann relevant sein
Anderes Etikettenmaterial, eine veränderte Abdeckung, ein anderer Klebstoff oder eine neue Drucktechnik können Sortierung, Wäsche und Rezyklatqualität beeinflussen.
Auch eine aus Marketing- oder Kostengründen eingeführte Anpassung kann aus Zertifizierungssicht eine technische Änderung sein.
4. Sleeve-Änderungen können NIR-Erkennung und Sortierung beeinflussen
Anderes Material, eine andere Farbe oder Abdeckung des Sleeves können die Erkennung der Verpackung verändern. Besonders relevant ist das bei Konstruktionen, die bereits nahe an einer Akzeptanzgrenze liegen.
Ist die neue Konfiguration nicht eindeutig durch die Leitlinien abgedeckt, kann ein zusätzlicher Sortierbarkeitstest erforderlich sein.
5. Auch Klebstoff- und Druckfarbenwechsel können wesentlich sein
Klebstoffe beeinflussen die Ablösung des Etiketts und das Verhalten in der Wäsche. Druckfarben können sich auf Farbe, Waschbad oder Qualität des zurückgewonnenen Materials auswirken.
Bei einem Lieferantenwechsel genügt daher der Vergleich der Gebrauchsfunktion nicht. Die recyclingrelevanten Eigenschaften sind ebenfalls zu prüfen.
6. Farb- und Pigmentänderungen erfordern eine Bewertung
Die Farbe kann Sortierbarkeit und Wert des fertigen Rezyklats beeinflussen. Entscheidend ist die Art des Pigments, nicht nur die Farbbezeichnung im Grafikprogramm.
Eine Farbänderung sollte deshalb anhand der aktuellen Design for Recycling Guidelines des betreffenden Stroms beurteilt werden.
7. Änderungen an Verschlüssen, Dichtungen und Dosierkomponenten
Eine neue Kappe, Pumpe, ein Ventil, eine Einlage oder eine Mehrmaterialkomponente können andere Polymere, Metall oder schwerer abtrennbare Teile einführen.
Beeinflusst dies Trennung oder Rezyklatqualität, kann sich das Ergebnis der gesamten Konstruktion trotz unverändertem Verpackungskörper ändern.
8. Veränderte Komponentenanteile können die Äquivalenz aufheben
Äquivalente Verpackungen dürfen sich innerhalb bestimmter Bedingungen unterscheiden. Wesentliche Komponentenanteile müssen jedoch so bleiben, dass das Auditergebnis unverändert ist.
Wird etwa das Etikett deutlich größer oder ändert ein anderes Füllvolumen seine Flächenabdeckung, kann eine gesonderte Bewertung erforderlich werden.
9. Auch aktualisierte Design for Recycling Guidelines sind relevant
RecyClass aktualisiert seine Leitlinien anhand neuer Forschung und Technology Approvals. Die maßgebliche Fassung kann deshalb von der Version einer früheren Designbewertung abweichen.
Bei einer Verpackungsänderung sollten sowohl der bisherige Bericht als auch die aktuellen Leitlinien des betreffenden Stroms geprüft werden.
10. Drei Jahre Gültigkeit bedeuten keine unveränderlichen Regeln
Ein Zertifikat besitzt ein festgelegtes Ablaufdatum. Seine ordnungsgemäße Nutzung setzt jedoch während der gesamten Laufzeit die Übereinstimmung mit dem bestätigten Umfang voraus. Das Dokument Quality Management & Procedures nennt für die erste reguläre Laufzeit drei Jahre minus einen Tag und enthält besondere Zeitregeln, unter anderem für eine Übergangsfrist.
Ändert sich das Produkt mit Einfluss auf das Ergebnis, sollte das Unternehmen nicht bis zur Zertifikatserneuerung warten.
11. So sollte internes Änderungsmanagement funktionieren
Jede geplante Verpackungsänderung sollte auf Auswirkungen auf die Zertifizierung geprüft werden. Entwicklung, Qualität, Einkauf, Marketing und die für das Zertifikat verantwortliche Person sollten beteiligt sein.
Ein geeignetes Änderungsformular erfasst das geänderte Element, alte und neue Spezifikation, Anlass, Auswirkungen auf Design for Recycling, die Entscheidung zur Meldung an die Zertifizierungsstelle und das Freigabedatum.
12. Eine praktische Einteilung von Änderungen
Geringfügig oder möglicherweise äquivalent: beispielsweise neue Grafik bei gleicher Technologie und gleichen Anteilen. Der Zertifizierungsumfang ist dennoch zu prüfen.
Wesentlich: Änderungen an Material, Klebstoff, Sleeve, Barriere, Pigment, Verschluss oder Anteilen. Sie erfordern in der Regel eine formale Bewertung.
Kritisch oder neue Konstruktion: Änderungen des Hauptmaterials, Recyclingstroms oder grundlegenden Aufbaus. Sie bedeuten meist einen neuen Bewertungsumfang.
13. Eine verlässliche praktische Regel
Kann das Team anhand der Unterlagen nicht eindeutig nachweisen, dass eine Änderung das Ergebnis unverändert lässt, sollte es keine automatische Abdeckung durch das bestehende Zertifikat annehmen.
Die Änderung ist mit der Zertifizierungsstelle abzustimmen, bevor die bisherige Aussage oder das Zeichen für die geänderte Verpackung verwendet wird.
Häufig gestellte Fragen
Erfordert jede Grafikänderung ein neues Zertifikat?
Nicht immer. Bleiben Technologie, Materialien und Anteile äquivalent, kann die Variante in den bestehenden Umfang passen. Das ist jedoch formal zu prüfen.
Ist ein Wechsel des Klebstofflieferanten wesentlich?
Er kann wesentlich sein. Klebstoffe können sich bei Wäsche und Trennung unterschiedlich verhalten; deshalb sind recyclingrelevante Eigenschaften zu vergleichen.
Gilt das Zertifikat unabhängig von Produktänderungen drei Jahre?
Nein. Die Laufzeit entbindet nicht davon, das Produkt in Übereinstimmung mit der bewerteten Konfiguration zu halten.
Wem ist die Änderung zu melden?
Der ausstellenden Zertifizierungsstelle entsprechend dem geltenden Verfahren und Bewertungsumfang.
