Etikett, Klebstoff und Verpackungskörper sind gemeinsam im betreffenden Recyclingstrom zu bewerten. Material, Fläche, Dichte, Druck und Ablöseverhalten spielen eine Rolle. Die Recyclingfähigkeit des Etiketts allein belegt nicht die Kompatibilität der vollständigen Verpackung.
Sind Etiketten und Sleeves nur dekorative Elemente mit geringer Bedeutung für das Recycling?
Nein. Etiketten, Sleeves und ihre Befestigung können die Verpackungserkennung bei der Sortierung, die Komponententrennung, die Wirksamkeit der Wäsche sowie Reinheit und Qualität des fertigen Rezyklats beeinflussen. RecyClass betrachtet sie deshalb als vollwertige Bestandteile der Konstruktion.
1. Etiketten können bereits die Sortierung beeinflussen
Optische Detektoren analysieren die Oberfläche vorbeilaufender Verpackungen. Ist ein großer Teil des Körpers durch anderes Material bedeckt, kann das System das Hauptpolymer möglicherweise nicht korrekt erkennen.
Besonders relevant sind Material, Fläche, Farbe und Position der Dekoration.
2. Ein Sleeve kann sich anders verhalten als ein herkömmliches Etikett
Ein Schrumpfsleeve kann einen großen Teil oder fast die gesamte Verpackungsoberfläche bedecken. Dadurch steigt das Potenzial für Auswirkungen auf Erkennung und spätere Trennprozesse.
Erkenntnisse zu einem kleinen Etikett dürfen daher ohne Prüfung der einschlägigen Leitlinien nicht auf einen vollständigen Sleeve übertragen werden.
3. Das Material von Etikett und Sleeve ist entscheidend
Papier, PET, PVC, PE, PP und andere Materialien verhalten sich im jeweiligen Hauptrecyclingstrom unterschiedlich.
Ein Material lässt sich in einem Verfahren wirksam abtrennen, kann in einem anderen aber bei den Flakes oder in der Kunststoffschmelze bleiben und die Endproduktqualität verschlechtern.
4. Dichte und Trennverhalten können ausschlaggebend sein
Viele Verfahren nutzen Dichteunterschiede zur Trennung von Komponenten. Die Kombination aus Körper, Etikett und Verschluss ist deshalb anhand der tatsächlichen Schritte des jeweiligen Verfahrens zu bewerten.
Das Materialkürzel allein genügt nicht. Entscheidend ist, wie sich das Element nach Zerkleinerung und Wäsche verhält.
5. Klebstoff gehört zum Etikettiersystem
Die Etikettenkompatibilität hängt auch vom Klebstoff ab. Verbleibt er auf dem Hauptmaterial, kann er Verunreinigungen verursachen oder die weitere Verarbeitung beeinträchtigen.
Bei bestimmten Anwendungen bewertet RecyClass, ob sich Etiketten oder Klebstoffe unter festgelegten Bedingungen ablösen beziehungsweise auswaschen lassen.
6. Auch der Etikettendruck kann das Ergebnis verändern
Druckfarben können in das Waschbad ausbluten, das Material verfärben oder auf einem Teil verbleiben, das in den Hauptstrom gelangt.
Relevant sind Drucktechnik, Flächenabdeckung und das Verhalten der Farbe unter den jeweiligen Prozessbedingungen.
7. Die Flächenabdeckung muss kontrolliert werden
Größere Dekorationen können das Risiko erhöhen, das Hauptmaterial zu verdecken. Zulässige Abdeckungen und Bedingungen unterscheiden sich jedoch zwischen den Strömen.
Ein einziger „sicherer Prozentsatz“ für alle Flaschen, Schalen und Behälter ist deshalb ungeeignet. Maßgeblich sind die aktuellen Design for Recycling Guidelines.
8. Perforation oder leichte Ablösbarkeit lösen das Problem nicht immer
Ein zur manuellen Entfernung vorgesehenes Element kann helfen. Die Bewertung sollte aber kein perfektes Verbraucherverhalten voraussetzen, wenn das Recyclingsystem auf Entfernung vor der Sortierung angewiesen ist.
Entscheidend sind das in der Methodik vorgesehene Szenario und das tatsächliche Verhalten der Verpackung im Strom.
9. Bei unklaren Leitlinien kann eine Prüfung nötig sein
RecyClass verfügt über Prüfprotokolle unter anderem für Sortierbarkeit und Komponentenkompatibilität. Ist ein neues Etikett, ein Klebstoff oder Sleeve noch nicht beschrieben, kann eine Untersuchung bei einer anerkannten Prüfeinrichtung sinnvoll sein.
Ein positives Ergebnis im entsprechenden Verfahren kann zu einem Technology Approval für die Technologie führen.
10. Geeignete Lieferantenunterlagen sind wesentlich
Der Verpackungshersteller sollte Material, Aufbau, Klebstoff, Druckfarbe und Spezifikation des Etiketts oder Sleeves kennen. Der Handelsname allein reicht dem Auditor häufig nicht aus.
Aktuelle Spezifikationen, Erklärungen des Komponentenlieferanten und gegebenenfalls die Referenz des Technology Approval sollten verfügbar sein.
11. Ein neues Etikett kann das Ergebnis einer zertifizierten Verpackung verändern
Ein Wechsel von Lieferant, Material, Klebstoff, Fläche oder Druckverfahren darf nicht automatisch als rein kosmetisch behandelt werden.
Bei zertifizierten Verpackungen ist zu prüfen, ob die neue Version im bestätigten Umfang bleibt oder eine Meldung und Neubewertung erfordert.
12. Gute Gestaltungspraxis
Wählen Sie das Etikett gemeinsam mit dem Verpackungsaufbau und nicht erst am Projektende. Vergleichen Sie Varianten hinsichtlich Sortierung und Recycling, dokumentieren Sie Material und Klebstoff und nutzen Sie die aktuellen Design for Recycling Guidelines.
So lässt sich vermeiden, dass die Dekoration am Ende das Ergebnis der gesamten Verpackung verschlechtert.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein Papieretikett immer gut für das Recycling?
Nein. Sein Einfluss hängt von Strom, Klebstoff, Waschprozess, Fläche und Trennverhalten ab.
Kann ein vollständiger Sleeve die NIR-Erkennung beeinflussen?
Ja, besonders wenn er das Körpermaterial verdeckt oder aus einem anderen Material besteht. Die Wirkung ist für die konkrete Konstruktion zu bewerten.
Genügt es, wenn das Etikett selbst recyclingfähig ist?
Nein. Das gesamte System aus Etikett, Klebstoff und Körper muss mit dem betreffenden Recyclingstrom kompatibel sein.
Erfordert ein neuer Etikettenlieferant eine erneute Zertifizierung?
Nicht immer. Es ist jedoch zu prüfen, ob die für das Ergebnis relevanten Eigenschaften äquivalent bleiben. Eine möglicherweise relevante Änderung ist nach dem Zertifizierungsverfahren zu melden.
