Eine Design-for-Recycling-Bewertung beginnt mit dem passenden Materialstrom und einer vollständigen Verpackungsspezifikation. Vor Abschluss des Designs sind Körper, Schichten, Farbe, Etiketten, Sleeves, Klebstoffe, Verschlüsse, Druck, Barrieren und Produktreste zu prüfen.
Womit beginnt die Design-for-Recycling-Bewertung vor einer Verpackungszertifizierung?
Am besten wird die Verpackung zunächst vollständig in ihre Bestandteile zerlegt und dem richtigen Recyclingstrom zugeordnet. Anschließend sind neben dem Hauptmaterial auch alle Komponenten, Dekorationen und Funktionen zu prüfen, die Sortierung, Materialverluste oder Rezyklatqualität beeinflussen können.
1. Zuerst den richtigen Recyclingstrom wählen
Design for Recycling ist keine einheitliche Checkliste für alle Verpackungen. RecyClass veröffentlicht eigene Leitlinien für einzelne Stoffströme und Formate.
Eine PET-Flasche, PE-Folie, starre PP-Verpackung oder PET-Schale muss deshalb nach den jeweils passenden Vorgaben bewertet werden. Die falsche Tabelle kann zu einem völlig falschen Ergebnis führen.
2. Körpermaterial und sämtliche Schichten prüfen
Das Hauptmaterial bestimmt die Zuordnung zum Stoffstrom. Eine Verpackung kann jedoch Schichten, Beschichtungen, Zusatzstoffe oder Mehrschichtstrukturen enthalten, die bei oberflächlicher Betrachtung nicht erkennbar sind.
Die Spezifikation sollte daher den tatsächlichen Aufbau beschreiben, nicht nur die Werbeaussage „mono“ oder den Namen des Hauptpolymers.
3. Farbe und korrekte Sortierung bewerten
Farbe, Pigment und Dekorationsart können die Erkennung der Verpackung und die Qualität des Materialstroms beeinflussen. Besonders zu beachten sind Lösungen, die die optische Erkennung erschweren oder den Rezyklatwert mindern.
Die RecyClass-Empfehlungen unterscheiden sich je nach Stoffstrom. Farbe ist deshalb anhand der anwendbaren Leitlinien immer im Zusammenhang mit Material und Format zu prüfen.
4. Das Etikett ist kein unbedeutender Zusatz
Ein Etikett kann Sortierung, Wäsche, Trennung und Rezyklatqualität beeinflussen. Relevant sind Material, Größe, Dichte, Farbe, Befestigungsart und bedeckter Flächenanteil.
Die Aussage, das Etikett sei klein oder „aus Papier“, genügt nicht. Sein Verhalten im jeweiligen Stoffstrom muss geprüft werden.
5. Ein Schrumpfsleeve kann das Verhalten der gesamten Verpackung verändern
Ein vollständiger oder großflächiger Sleeve kann die Erkennung des Körpermaterials im Sortiersystem erschweren und anschließend Trennung und Rezyklatreinheit beeinflussen.
Decken die anwendbaren Leitlinien die konkrete Konfiguration nicht ab oder bestehen Zweifel an der Sortierfähigkeit, kann eine zusätzliche Prüfung nach einem RecyClass-Protokoll erforderlich sein.
6. Klebstoff zusammen mit Etikett oder Sleeve bewerten
Auch ein geeignetes Etikettenmaterial kann problematisch werden, wenn sich der Klebstoff bei der Wäsche nicht wie erforderlich verhält oder beim Hauptmaterial verbleibt.
Bei einigen Anwendungen ist die Ablösbarkeit unter festgelegten Waschbedingungen entscheidend. RecyClass veröffentlicht auch detaillierte Prüfprotokolle für bestimmte Klebstoffarten.
7. Verschlüsse, Dichtungen und weitere Teile als System betrachten
Verschlüsse, Kappen, Pumpen, Ventile, Einlagen und Dichtungen können andere Polymere oder Materialien mit abweichender Dichte und Verarbeitungstemperatur einbringen.
Die DfR-Bewertung prüft, ob sich ein Bestandteil korrekt abtrennen lässt oder mit dem vorgesehenen Recyclingprozess verträglich bleibt.
8. Druck, Farben und Dekoration beeinflussen das Rezyklat
Druckfläche, Druckfarbentyp und Dekorationsverfahren können Sortierung, Waschprozess, Farbveränderungen und Qualität des gewonnenen Sekundärmaterials beeinflussen.
„Dieselbe Flasche mit anderer Grafik“ ist deshalb nicht automatisch derselbe Bewertungsfall. Es ist zu prüfen, ob Anteile und Dekorationstechnologie gleichwertig bleiben.
9. Barrieren, Zusatzstoffe und Mehrschichtaufbauten besonders beachten
Eine Barriereschicht kann zum Produktschutz erforderlich sein. Ihr Einfluss auf das Recycling hängt jedoch von Material, Anteil, Aufbau und Stoffstrom ab.
Ist eine innovative Lösung noch nicht in den aktuellen Design for Recycling Guidelines beschrieben, können eine Prüfung nach RecyClass-Protokoll und eine Technology Approval der passende Weg sein.
10. Restentleerbarkeit und Produktreste prüfen
Nach Gebrauch verbleibendes Produkt kann den Prozess zusätzlich verunreinigen. Relevant sind unter anderem Viskosität, Geometrie, Dosierweise und praktische Entleerbarkeit.
Für ausgewählte Formate nutzt RecyClass den Easy-to-Empty Index. Die Gebrauchsfunktion der Verpackung darf deshalb nicht ausgeblendet werden.
11. Design for Recycling ist ein fortlaufender Prozess
Die RecyClass-Leitlinien werden weiterentwickelt. Aktualisierungen beruhen auf neuen Untersuchungen, Technology Approvals und Erkenntnissen über Sortier- und Recyclingprozesse.
RecyClass hat 2026 Leitlinien für wesentliche Stoffströme aktualisiert. Ein Bewertungsergebnis sollte daher stets einer bestimmten Dokumentversion zugeordnet sein.
12. DfR vor Abschluss des Designs bewerten
Die Analyse ist besonders wertvoll, solange Etikett, Klebstoff, Farbe, Schicht oder Verschluss noch ohne Umbau der gesamten Lieferkette geändert werden können.
DfR sollte deshalb als Prüfschritt in die Produktentwicklung eingebunden werden, nicht erst unmittelbar vor dem Audit oder nach Beginn der Serienproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Reicht eine Monomaterialverpackung für ein gutes Ergebnis?
Nein. Sortierfähigkeit, Farbe, Zusatzstoffe, Dekoration, Klebstoffe, Produktreste und die übrigen Konstruktionselemente sind weiterhin zu bewerten.
Bleiben die Design for Recycling Guidelines unverändert?
Nein. RecyClass aktualisiert sie anhand von Forschung und neuen technischen Erkenntnissen.
Benötigt jeder innovative Bestandteil eine Technology Approval?
Nein. Ist die Lösung bereits vollständig in den aktuellen Leitlinien beschrieben, kann eine zusätzliche Zulassung entbehrlich sein.
Wann sollte die DfR-Analyse erfolgen?
Während der Entwicklung, bevor Spezifikation, Formwerkzeug und Lieferanten endgültig festgelegt sind.
