Mehrwegpflichten hängen von Verpackungsformat und Transportweg ab. Das allgemeine 40-%-Ziel lässt sich nicht auf das gesamte Portfolio übertragen. Interne und inländische Lieferungen, Umverpackungen, Getränke und Wiederbefüllung sind mit ihren jeweiligen Ausnahmen getrennt zu beurteilen.
Wiederverwendung als eigener Bereich der PPWR
Recycling ist nicht das einzige Instrument der Kreislaufwirtschaft. Die PPWR enthält eigenständige Vorgaben für wiederverwendbare Verpackungen, Wiederverwendungssysteme und Wiederbefüllung. Für viele Unternehmen ist dies neben einer Materialfrage vor allem ein logistisches und betriebliches Projekt.
1. Was bedeutet wiederverwendbare Verpackung?
Eine wiederverwendbare Verpackung muss so konzipiert und in Verkehr gebracht werden, dass sie mehrere Umläufe oder Rotationen durchlaufen soll. Zusätzlich muss sie die PPWR-Anforderungen an ihre Funktion und das Wiederverwendungssystem erfüllen.
2. 40 % für bestimmte Transportverpackungen
Ab dem 1. Januar 2030 müssen Wirtschaftsakteure, die innerhalb der Union die genannten Transportverpackungen oder für den Produkttransport verwendeten Verkaufsverpackungen einsetzen, sicherstellen, dass insgesamt mindestens 40 % der erfassten Verpackungen in einem Wiederverwendungssystem wiederverwendbar sind. Das Ziel betrifft Artikel 29 Absatz 1 unter Berücksichtigung der Ausnahmen und der gesonderten Regeln für Warenströme nach den Absätzen 2 und 3. Es ist kein einheitlicher Schwellenwert für alle Verpackungsformate und Lieferwege.
Nach den Leitlinien der Kommission trägt der Nutzer der Transportverpackung die Verantwortung für das Ziel: der Wirtschaftsakteur, der das Produkt in dieser Verpackung auf dem EU-Markt in Verkehr bringt, unabhängig davon, ob er als Hersteller, Importeur oder Vertreiber handelt.
3. Das Ziel für 2040: mindestens 70 % anstreben
Für dieselbe Verpackungsgruppe sollen Wirtschaftsakteure ab 2040 einen Mehrweganteil von mindestens 70 % anstreben. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einer Pflicht, ein Ergebnis sicherzustellen, und der Vorgabe, ein Ziel anzustreben.
4. Transporte zwischen eigenen und verbundenen Standorten
Für bestimmte Transportverpackungen zwischen Standorten desselben Wirtschaftsakteurs oder zwischen dessen Standorten und denen verbundener Unternehmen beziehungsweise Partnerunternehmen sieht die PPWR ab 2030 wiederverwendbare Verpackungen in einem Wiederverwendungssystem vor. Diese strengeren Anforderungen sind zusammen mit den einschlägigen Ausnahmen zu lesen.
5. Lieferungen an einen anderen Wirtschaftsakteur im selben Mitgliedstaat
Artikel 29 enthält außerdem eine besondere Regel für erfasste Lieferungen innerhalb desselben Mitgliedstaats. Bei der Bewertung zählen Transportweg und Geschäftsbeziehung ebenso wie das Verpackungsformat und eine möglicherweise anwendbare Ausnahme.
6. Ausnahmen für Transportverpackungen
Die Pflichten aus Artikel 29 Absätze 1 bis 3 gelten in bestimmten abgegrenzten Fällen nicht. Dazu gehören bestimmte Gefahrgutverpackungen, individuell gestaltete Verpackungen für große Maschinen und Anlagen, bestimmte flexible Verpackungen im direkten Kontakt mit Lebens- oder Futtermitteln sowie Kartons. Die Grundlage einer beanspruchten Ausnahme sollte dokumentiert werden.
Zusätzlich ist der Delegierte Beschluss (EU) 2026/429 für Palettenumhüllungen und Umreifungsbänder zur Stabilisierung und zum Schutz von Produkten beim Transport zu beachten. Er sieht für diese Formate eine Ausnahme von den 100-%-Mehrweganforderungen nach Artikel 29 Absätze 2 und 3 vor. Maßgeblich ist der konkrete Warenstrom; daraus folgt keine allgemeine Ausnahme für sämtliche Transportverpackungen.
7. 10 % für bestimmte Umverpackungen
Ab 2030 verlangt die PPWR für Umverpackungen in Kistenform, ausgenommen Kartons, einen Anteil von mindestens 10 % wiederverwendbarer Verpackungen in einem Wiederverwendungssystem. Ab 2040 sollen die Wirtschaftsakteure 25 % anstreben.
8. 10 % der erfassten Getränke in Mehrwegverpackungen
Endvertreiber, die Verbrauchern die erfassten alkoholischen und alkoholfreien Getränke bereitstellen, müssen ab 2030 mindestens 10 % dieser Produkte in wiederverwendbaren Verpackungen innerhalb eines Wiederverwendungssystems anbieten. Vor der Berechnung sind Produktausschlüsse und Ausnahmen für Wirtschaftsakteure zu prüfen. Die Ziele für 2040 werden gesondert festgelegt.
9. Wiederbefüllung ist nicht dasselbe wie Mehrweg
Wiederbefüllung, auch Refill genannt, kann über einen erneut befüllten Behälter des Nutzers oder eine Nachfüllstation erfolgen. Bei Mehrweg durchläuft eine Verpackung typischerweise weitere Rotationen in einem organisierten System. Beide Modelle benötigen jeweils passende Regeln zu Hygiene, Logistik, Identifikation und Verantwortung.
10. Große Verkaufsstellen und Flächen für Wiederbefüllung
Ab dem 1. Januar 2030 sollen Endvertreiber mit mehr als 400 m² Verkaufsfläche anstreben, 10 % dieser Fläche für Nachfüllstationen für Lebensmittel und Nichtlebensmittel vorzusehen. Es handelt sich um ein anzustrebendes Ziel und nicht um eine bedingungslose Vorgabe, dass jede betroffene Verkaufsstelle bereits diesen Flächenanteil eingerichtet haben muss.
11. Ein Wiederverwendungssystem benötigt Daten
Das Unternehmen sollte wissen, wie viele Verpackungen im Umlauf sind, wo sie sich befinden, wie viele Rotationen sie absolvieren, wann sie ausgesondert werden, wie die Reinigung erfolgt und was am Ende ihrer Nutzungsdauer geschieht.
12. Mehrweg hebt Recyclinganforderungen nicht auf
Auch eine Mehrwegverpackung wird irgendwann zu Abfall. Das Design sollte deshalb Haltbarkeit, Umlaufzahl, Reinigbarkeit, Logistik und anschließendes Recycling aufeinander abstimmen.
13. So beginnt die betriebliche Analyse
- Alle Transport- und Umverpackungen erfassen.
- Inländische, grenzüberschreitende und konzerninterne Warenströme unterscheiden.
- Vorhandene Rücklaufkreisläufe prüfen.
- Den Anteil wiederverwendbarer Verpackungen berechnen.
- Umlaufzahlen und Verpackungsverluste bestimmen.
- Reinigung, Qualitätskontrolle und Lagerung bewerten.
- Ausnahmen prüfen und dokumentieren.
- Einen Plan für 2030 und 2040 entwickeln.
Der wichtigste Grundsatz
Das Mehrwegziel hängt von Format und Warenstrom ab. Ein einzelner Prozentsatz darf nicht auf das gesamte Verpackungsportfolio übertragen werden.
Häufig gestellte Fragen
Gilt das 40-%-Ziel für alle Verpackungen?
Nein. Es betrifft die in Artikel 29 erfassten Transportverpackungen und für den Transport verwendeten Verkaufsverpackungen unter Berücksichtigung der jeweiligen Ausschlüsse und Ausnahmen.
Reichen 40 % zwischen unseren eigenen Standorten?
Nein. Für Warenströme nach Artikel 29 Absatz 2 gilt eine 100-%-Anforderung unter Berücksichtigung der einschlägigen Ausnahmen, darunter diejenigen des Beschlusses (EU) 2026/429. Zunächst ist zu klären, ob der konkrete Warenstrom und die Verpackung dieser Pflicht unterliegen.
Müssen Mehrwegverpackungen auch recyclingfähig sein?
Ja. Das Mehrwegkonzept hebt Anforderungen an das Ende des Verpackungslebenszyklus nicht auf.
Unterliegt jedes flexible Verpackungsformat den Mehrwegzielen?
Nein. Nach den FAQ der Kommission enthält Artikel 29 Absatz 1 eine abschließende Liste der erfassten Formate, einschließlich ihrer flexiblen Ausführungen. Zuerst sind Format und Verwendung zu bestimmen. Danach sind die einschlägigen Ausnahmen zu prüfen, darunter die festgelegten Fälle des direkten Kontakts mit Lebens- oder Futtermitteln.
