Letter of Compatibility betrifft vor allem Verpackungshalbzeuge; Design for Recycling Certification bewertet das technische Design einer fertigen Verpackung; Recyclability Certification berücksichtigt zusätzlich Sammlung, Sortierung und Recycling im Zielmarkt. Keine dieser Bewertungen bestätigt automatisch vollständige PPWR-Konformität.
Welcher RecyClass-Weg passt: Letter of Compatibility, Design for Recycling Certification oder Recyclability Certification?
Die Wahl hängt vor allem davon ab, ob ein Halbzeug oder eine vollständige Verpackung bewertet wird, ob allein die technische Designkompatibilität oder auch die Infrastruktur für Sammlung, Sortierung und Recycling in einem bestimmten Markt relevant ist und wie das Unternehmen das Ergebnis kommunizieren möchte.
1. Drei Wege für unterschiedliche Anforderungen
Die Bezeichnungen klingen ähnlich, stehen jedoch weder für dasselbe Dokument noch für denselben Bewertungsumfang.
Letter of Compatibility betrifft grundsätzlich Verpackungshalbzeuge. Design for Recycling Certification bewertet eine fertige Konstruktion technisch. Recyclability Certification beurteilt die fertige Verpackung unter Berücksichtigung des jeweiligen Marktes.
2. Letter of Compatibility: für Verpackungshalbzeuge
Ein Letter of Compatibility (LoC) ist für ein Verpackungshalbzeug vorgesehen, dessen Endkonfiguration sich noch durch Etikett, Druck, Verschluss oder weitere Bestandteile ändern kann.
Das Ergebnis bezieht sich auf die Kompatibilität des bewerteten Konstruktionsstands. RecyClass empfiehlt die spätere Zertifizierung der vollständigen Verpackung, da die endgültigen Komponenten das Ergebnis verändern können.
3. Wann ein LoC sinnvoll ist
Ein LoC kann Herstellern von Preforms, Folien, anderen Verpackungshalbzeugen oder B2B-Komponenten helfen, wenn sie die endgültige Dekoration und Zusammenstellung nicht kontrollieren.
Es darf nicht als vollständige Zertifizierung der fertigen Verbraucherverpackung dargestellt werden.
Eine einzelne Komponente wie Etikett, Pumpe oder Sleeve wird für die LoC-Bewertung auf einer vollständigen Verpackung montiert vorgelegt. Das Ergebnis betrifft die geprüfte Konfiguration und den maßgeblichen Verpackungsstrom. Es ist keine universelle Freigabe für jede mögliche Verwendung der Komponente.
4. Design for Recycling Certification: für das endgültige Design
Design for Recycling Certification betrifft die fertige Verpackung und bewertet ihre technische Kompatibilität mit dem jeweiligen Sortier- und Recyclingstrom.
Grundlagen sind die aktuellen Design for Recycling Guidelines, die RecyClass-Methodik und für europäische Infrastruktur repräsentative Technologien.
5. Was technische Kompatibilität bedeutet
Eine DfR-Bewertung prüft vor allem, ob die Konstruktion mit gängigen Technologien richtig sortiert und verarbeitet werden kann.
Damit ist allein noch nicht bestätigt, dass die Verpackung in jedem Land tatsächlich im erforderlichen Umfang gesammelt, sortiert und recycelt wird.
6. Recyclability Certification: fertige Verpackung und Zielmarkt
Recyclability Certification umfasst die vollständige Verpackung und berücksichtigt neben Design for Recycling auch die funktionierenden Sammel-, Sortier- und Recyclingsysteme eines bestimmten Marktes.
Die Zertifizierungsstelle benötigt deshalb Kenntnisse der lokalen Infrastruktur des geografischen Bewertungsgebiets.
7. Die Wege erlauben unterschiedliche Kommunikation
LoC unterstützt vor allem B2B-Aussagen zu Verpackungshalbzeugen. DfR Certification erlaubt die Kommunikation des Ergebnisses für das fertige Design, allerdings unter stärker begrenzten Regeln für Aussagen und Zeichen. Die RecyClass-FAQ erlauben B2C-Kommunikation zu DfR etwa auf Websites oder in Pressemitteilungen, jedoch nicht auf der Verpackung.
Recyclability Certification bietet die umfassendste Grundlage für B2B- und B2C-Kommunikation einschließlich eines entsprechenden Zeichens auf der Verpackung. Dabei gelten die aktuellen RecyClass-Regeln und der zertifizierte Marktumfang.
8. Keiner der Wege ersetzt die vollständige PPWR-Konformitätsbewertung
Eine RecyClass-Zertifizierung kann wertvolle technische Nachweise liefern. Sie entbindet den Hersteller jedoch nicht davon, sämtliche einschlägigen gesetzlichen Pflichten zu prüfen.
Insbesondere darf ein RecyClass-Zertifikat nicht als automatisches „PPWR-Zertifikat“ dargestellt werden.
9. Vor der Auswahl muss der Entwicklungsstand feststehen
Wesentliche Fragen sind: Halbzeug oder fertige Verpackung? Sind alle Bestandteile bekannt? Ist das Design abgeschlossen? Welcher Zielmarkt ist vorgesehen? Wo und wie soll das Ergebnis kommuniziert werden?
Wird die Konfiguration noch verändert, kann eine vollständige Zertifizierung des Endprodukts verfrüht sein.
10. Drei Jahre Gültigkeit setzen ein weiterhin konformes Design voraus
RecyClass nennt für diesen Bereich grundsätzlich eine dreijährige Zertifikatslaufzeit. Das genaue Ablaufdatum und besondere Zeitbedingungen richten sich nach dem maßgeblichen Verfahren. Die Verpackung darf währenddessen nicht beliebig verändert werden.
Änderungen mit Einfluss auf das Ergebnis sind zu melden und zu bewerten, damit die weitere Anwendbarkeit des bestehenden Dokuments bestätigt werden kann.
11. Mehrere äquivalente Verpackungen können einen Umfang teilen
Verändern Unterschiede zwischen Varianten das Ergebnis nicht, kann der Ansatz Equivalent Packaging infrage kommen. Das gilt nicht automatisch: Der Auditor muss die Äquivalenz jeder Version bestätigen.
Das kann für Produktfamilien mit unterschiedlichen Größen, Farben, Grafiken oder Handelsnamen sinnvoll sein, sofern die Äquivalenzbedingungen erfüllt bleiben.
12. Ein einfacher Auswahlleitfaden
- Verpackungshalbzeug: Letter of Compatibility prüfen.
- Fertige Verpackung mit technischem Bewertungsbedarf: Design for Recycling Certification prüfen.
- Fertige Verpackung für einen bestimmten Markt und umfassendere Aussagen: Recyclability Certification prüfen.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein Letter of Compatibility ein Zertifikat für die endgültige Verpackung?
Nein. Es betrifft ein Halbzeug und die Kompatibilität der in diesem Stadium bewerteten Konfiguration.
Bewertet Design for Recycling Certification lokale Sammelsysteme?
Ihr Schwerpunkt ist die technische Designbewertung. Recyclability Certification berücksichtigt die tatsächlichen Sammel-, Sortier- und Recyclingsysteme im betreffenden Markt umfassender.
Welcher Weg bietet die umfassendsten B2C-Möglichkeiten?
Recyclability Certification nach den aktuellen RecyClass-Regeln für Aussagen und Zeichen sowie dem zertifizierten Umfang.
Können ähnliche Verpackungen gemeinsam zertifiziert werden?
Ja, wenn der Auditor ihre Äquivalenz bestätigt und Unterschiede das Ergebnis nicht verändern.
