Die maximalen 5 Gewichtsprozent beziehen sich auf PET aus früheren Nichtlebensmittelanwendungen im festgelegten Recyclinginput. Dieser Wert ist von der allgemeinen PET-Reinheit und Verunreinigungsgrenzen zu unterscheiden. Seine Einhaltung allein belegt keine vollständige Lebensmittelkontaktkonformität.
Bedeutet der Grenzwert von 5 %, dass das Eingangsmaterial beliebige 5 % Verunreinigungen enthalten darf?
Nein. Diese Vorgabe wird beim Recycling für Lebensmittelkontakt häufig falsch verstanden. Der Grenzwert aus Anhang I betrifft den Anteil von PET aus Nichtlebensmittelanwendungen im Input für das mechanische Recycling von Post-Consumer-PET. Er erlaubt nicht pauschal 5 % beliebige Kunststoffe, Metalle, Papier, PVC, Lebensmittelreste oder andere Verunreinigungen.
1. Der Grenzwert ergibt sich aus Anhang I der Verordnung 2022/1616
Für die Technologie des mechanischen Recyclings von Post-Consumer-PET nennt Anhang I PET-Verbraucherabfälle mit höchstens 5 % Materialien und Gegenständen, die zuvor mit Nichtlebensmittelmaterialien oder -stoffen in Kontakt waren.
Der Wert ist als maximaler Gewichtsanteil festgelegt. Er ist weder ein Produktionsziel noch ein Wert, der gezielt ausgeschöpft werden sollte.
2. Die 5 % betreffen Non-Food-PET, nicht alle Fremdmaterialien
Ein Betrieb kann zugleich andere Polymere, Etiketten, Klebstoffe, Metalle, Produktreste und weitere unerwünschte Bestandteile kontrollieren. Für diese gelten eigene Qualitäts- und Prozessanforderungen.
Die Aussage „Wir haben 4 % PVC und sonstige Verunreinigungen und liegen damit unter dem Grenzwert von 5 %“ wäre falsch. Es handelt sich um unterschiedliche Parameter.
3. Non-Food beschreibt die frühere Verwendung der Verpackung
Ein Beispiel sind PET-Verpackungen, die zuvor mit einem Nichtlebensmittelprodukt in Kontakt waren. Bei der Inputkontrolle sind solche Anwendungen von PET für Getränke oder andere geeignete Lebensmittel zu unterscheiden.
Entscheidend ist die Nutzungsgeschichte des Materials, nicht allein seine Identifikation als PET durch ein Spektrometer.
4. Der Grenzwert ist Teil eines umfassenderen Inputkontrollsystems
Die Einhaltung der 5 % befreit nicht von Anforderungen an Abfallherkunft, getrennte Sammlung, Inputqualität oder Rückverfolgbarkeit. Es handelt sich um einen Parameter innerhalb des Gesamtsystems.
Ein Material kann weniger als 5 % Non-Food-PET enthalten und trotzdem andere Bedingungen aus Artikel 6 oder Anforderungen des konkreten Prozesses verfehlen.
5. Die Kontrolle sollte einer festgelegten Methode folgen
Das Unternehmen sollte wissen, wie es den Anteil von Nichtlebensmittelmaterialien bewertet. Die Methode kann eine geeignete Probenahmeplanung, manuelle Klassifizierung, Sichtkontrolle oder ein anderes zum Stoffstrom und System passendes Verfahren umfassen.
Das Ergebnis muss wiederholbar, dokumentiert und einer bestimmten Charge oder Produktionsperiode zuzuordnen sein.
6. Der Lieferant darf nicht die einzige Absicherung sein
Eine Lieferantenerklärung ist ein wichtiger Baustein. Das Qualitätssystem benötigt jedoch zusätzlich eine Überprüfung. Häufigkeit und Umfang der Kontrollen sollten Risiko, Lieferantenhistorie und Schwankungen des Stoffstroms berücksichtigen.
Auf Kontrollen zu verzichten, weil „wir seit Jahren vom selben Sortierbetrieb kaufen“, schwächt die Belastbarkeit des Systems.
7. Module Alpha kann den Parameter früher in der Kette absichern
Bei Sorting Process Module Alpha werden Herkunft, getrennte Sammlung, Trennung und Materialzusammensetzung bereits vor dem eigentlichen Recycling kontrolliert. Der Recycler kann dadurch einen besser dokumentierten Stoffstrom erhalten.
Seine Verantwortung für die eigenen Inputanforderungen und die Kontrolle des angelieferten Materials entfällt dadurch nicht.
8. A1 und A2 betreffen andere Stufen als die Sortierung
Module A1 betrifft die abschließende Vorbereitung des Eingangsmaterials zur Dekontamination, Module A2 den Dekontaminationsprozess selbst. Die Kontrolle des Non-Food-PET-Grenzwerts kann deshalb an mehreren Stellen der Kette Bestandteil einer umfassenderen Inputqualitätskontrolle sein.
Jeder Akteur sollte wissen, für welche Stufe er verantwortlich ist und welche Nachweise er weitergibt.
9. Der Höchstwert von 5 % ist kein Ziel für jede Charge
Für eine dauerhafte Einhaltung der Anforderungen sollte das System das Risiko einer Überschreitung minimieren. Ein interner Alarmwert unterhalb des Grenzwerts kann ein sinnvolles Instrument des Risikomanagements sein.
Das Vorgehen sollte zur Materialvariabilität und zur Zuverlässigkeit der Probenahmedaten passen.
10. Eine Überschreitung erfordert das Zurückhalten und Prüfen der Charge
Eine Charge oberhalb des festgelegten Höchstwerts sollte nicht ohne Analyse automatisch „verdünnt“ werden. Zunächst sind Ursache, Ausmaß des Problems und Auswirkungen auf die Rückverfolgbarkeit zu ermitteln.
Korrekturmaßnahmen sind zu dokumentieren. Die Entscheidung über die weitere Behandlung muss den Prozessanforderungen und dem Qualitätssystem entsprechen.
11. Häufig werden unterschiedliche Kennzahlen verwechselt
In der Praxis treten drei unterschiedliche Kennzahlen auf: der Non-Food-PET-Anteil, die allgemeine PET-Reinheit und der Anteil anderer Materialien und Verunreinigungen. Messmethoden und Bewertungskriterien können voneinander abweichen.
Die Dokumentation muss eindeutig benennen, welcher Parameter gemessen wird. Die Angabe „purity >95%“ belegt noch nicht, dass der Non-Food-PET-Grenzwert kontrolliert wird.
Häufig gestellte Fragen
Bedeuten 5 % einen Anteil von 5 % aller Non-Food-Verpackungen?
Beim mechanischen Recycling von Post-Consumer-PET geht es um den maximalen Gewichtsanteil von PET aus früheren Nichtlebensmittelanwendungen im festgelegten Input.
Zählen Etiketten und Verschlüsse zu diesen 5 %?
Sie sind nicht automatisch mit dem Non-Food-PET-Grenzwert gleichzusetzen. Fremdbestandteile werden zusätzlich nach eigenen Anforderungen an die Inputqualität kontrolliert.
Belegt ein Ergebnis von 4,9 % die vollständige Prozesskonformität?
Nein. Es ist nur ein Parameter. Auch Anforderungen an Herkunft, Sammlung, Zusammensetzung, Prozess, Dokumentation und Rückverfolgbarkeit müssen erfüllt sein.
Reicht eine Lieferantenerklärung allein aus?
Das System sollte eine angemessene Überprüfung des Eingangsmaterials vorsehen und Nachweise zum Ergebnis aufbewahren.
Bestätigt RecyClass diesen Grenzwert?
Die einschlägigen Module können Anforderungen an die Materialkontrolle enthalten. Die Zertifizierung darf jedoch nicht als Ersatz für eine vollständige Bewertung der Rechtskonformität dargestellt werden.
